Du oder Sie? Die richtige Anrede auf Website und Blog

Wie spreche ich meine Leserinnen und Website-Besucher an? Darf ich mit diesen Menschen, die ich ja noch gar nicht kenne, überhaupt per Du sein oder vergraule ich sie damit gleich wieder? Ist die Sie-Form nicht professioneller?

Diese Fragen haben mich beschäftigt, bevor meine Website online gegangen ist und sie beschäftigen auch viele meiner Kundinnen. Du bist also nicht alleine, mit diesen Gedanken.

Aber gibt es sie überhaupt, die richtige Anrede im Internet? Wie sieht es in den sozialen Netzwerken aus? Wie soll ich mich verhalten, wenn der Kunde dann im „echten Leben“ vor mir steht?

Ich habe meine Antworten darauf gefunden und möchte sie gerne mit dir teilen, damit du eine gute Grundlage für deine eigene Entscheidung hast.

Du oder Sie? Die richtige Anrede auf Website und Blog | miss-webdesign.at

Mit  dem „Sie“ fühlte ich mich auf der sicheren Seite

2016 zu Beginn von miss-webdesign.at bestand meine Website aus einer überschaubaren Anzahl an Seiten. Es gab Informationen zu meinen Leistungen, ein paar Erfolgsgeschichten meiner Kundinnen, Informationen über mich und natürlich eine Kontaktseite.

Die Entscheidung ist mir damals leichtgefallen. Ich habe mich für die Anrede per Sie entschlossen. (Heute sitze ich hier und schmunzle…)

Gerade in Österreich, wo auch sehr viel Wert auf Titel gelegt wird, war das „Sie“ meine erste Wahl. Schließlich kenne ich die Besucher meiner Website ja nicht persönlich und wollte einen professionellen Eindruck machen.

Dann kam mein Blog dazu und plötzlich fühlte sich die Sie-Form für mich nicht mehr passend an.

Am Blog per Sie? Ist irgendwie komisch …

Mein Blog stellte mich wiederholt vor die Frage, ob ich meine Leserinnen weiterhin siezen oder lieber duzen möchte.

Ich habe zu dieser Zeit viele andere Websites und Blogs analysiert, um mir einen Eindruck zu verschaffen. Dabei habe ich unterschiedliche Varianten entdeckt:

  • Website und Blog durchgängig per Sie oder Du
  • Mischformen: Website in Sie-Form, am Blog per Du
  • Die Variante „man“

Was mich gar nicht angesprochen hat, war das verallgemeinernde „man“. Das finde ich furchtbar unpersönlich.

Auch die Mischformen konnten mich nicht überzeugen. Ein Wechsel vom Sie aufs Du von der Website zum Blog ist für mich nicht stimmig.

Ich wollte eine klare Linie und einheitliche Kommunikationsstrategie auf allen Kanälen.

3 Fragen als Basis für meine Entscheidung

Ich musste mich entscheiden. Möchte ich meinen Blog in der Sie-Form führen oder überarbeite ich mein Konzept und wechsle zum Du?

Dazu habe ich mir folgende 3 Fragen gestellt:

Mit welcher Anrede fühlt sich meine Wunschkundin willkommen?

Meine Angebote richten sich in erster Linie an Frauen*, die gerade am Sprung in die Selbstständigkeit sind oder ihr Business mit einer professionellen Website weiter voranbringen wollen.

Ich begleite meine Kundinnen auf ihrem Weg zu einem erfolgreichen Internetauftritt.

Das ist oft ein sehr persönlicher Prozess. Meine Kundinnen machen mit ihrer eigenen Website einen Schritt aus ihrer Komfortzone heraus. Dazu gehört Mut und dabei stehe ich ihnen zur Seite.

Mit dem respektvollen Du möchte ich Vertrauen schaffen und von Beginn an Gespräche auf Augenhöhe ermöglichen.

* natürlich sind auch Männer bei mir herzlich Willkommen 🙂

Welche Stimmung möchte ich auf meiner Website und meinem Blog vermitteln?

Stell dir vor, du würdest ganz entspannt mit einer Freundin plaudern. Dabei fühlst du dich wohl und bleibst gern ein bisschen länger.

Durch die Du-Anrede möchte ich diese vertraute Atmosphäre schaffen und damit die Basis für eine gute Zusammenarbeit legen.

Denn in den allermeisten Fällen bekommen meine Kundinnen bei mir mehr als eine Website, sondern auch emotionalen Support.

Womit fühle ich mich wohl?

Ich fühle mich mit meiner Entscheidung für das „Du“ richtig wohl. Das bin einfach ich.

Und ich bin diese Umgangsform auch aus meiner Zeit als Spitzensportlerin gewöhnt. In der Turnhalle spricht man jeden mit dem wertschätzenden Du an.

Mir ist bewusst, dass vielleicht nicht alle Besucher meiner Website diese Entscheidung gut finden, aber das ist in Ordnung. Ich möchte meinen Lesern einen authentischen Eindruck von mir geben.

Meine Kompetenz und Professionalität zeigt sich im Mehrwert meiner Artikel und meiner Arbeit, nicht dadurch, wie ich jemanden anspreche.

So spreche ich Kunden „im echten Leben“ an

Die Anrede auf Website und Blog ist nur ein Teil des Ganzen. Wie sieht es im offline Kontakt aus, wenn die Kundin direkt vor mir steht? Oder beim ersten Kontakt per Email?

Je nachdem, wie ich angesprochen werde, antworte ich.

Emailanfragen die ich in Sie-Form erhalte, beantworte ich auch in Sie-Form. Bei persönlichen Treffen, warte ich erst die Begrüßung und die Stimmung ab, die sich entwickelt und stelle mich dann darauf ein. Wenn ich merke, dass mein Gegenüber zwischen „Sie“ und „Du“ schwankt, spreche ich das offen an.

Mit all meinen bisherigen Kundinnen bin ich per Du und habe das in der Zusammenarbeit immer als sehr angenehm erlebt.

Wie gehen andere Unternehmer und Blogger mit der Thematik „Anrede“ um?

Du kennst jetzt meine Meinung. Aber wie sprechen andere Unternehmer und Blogger Ihre Leser und Kunden an?

Während meiner eigenen Entscheidungsfindung und bei der Recherche für diesen Artikel habe ich auch andere Meinungen eingeholt. Dabei habe ich interessante Rückmeldungen bekommen, die ich gerne mit dir teilen möchte.

Robert Weller – Content Experience Consultant

Robert bevorzugt klar das „Du“ und hat damit bisher gute Erfahrungen gemacht. Auf seinem Blog oder in sozialen Netzwerken zu siezen stand für ihn nie zur Debatte.

„Die Sie-Form ist mir online völlig fremd. Social Media sind Orte, an denen wir uns austauschen, netzwerken, uns gegenseitig kennenlernen und unterstützen. Warum also Distanz bewahren, die ist durch die Plattform an sich schon gegeben. Ob ich auch im persönlichen Gespräch duze oder Sieze ist von der Kommunikation abhängig, die dem Treffen vorangegangen ist. Bei Gesprächen die dann per Sie beginnen, dauert der Wechsel zum Du aber meist nicht lange.“

Robert Weller ist Content Experience Consultant, Autor und Keynote Speaker. Auf toushenne.de dreht sich alles um die strategische Verknüpfung von Content und Design im Marketing.

Gero Pflüger – Social Media Berater

Gero verwendet „Du“ oder „Sie“ abhängig von der Plattform, auf der er sich gerade bewegt.

Auf Twitter oder Facebook ist er mit seinen Lesern per „Du“. Auf XING, LinkedIn, am Blog und auf der Website bevorzugt er das „Sie“.

Ich konnte mich mit Gero kurz auf Twitter dazu austauschen und fand seine Antwort sehr spannend:

„Ich habe eine Zwiebeltechnik: Je weiter draußen die Schale (Kanal), desto eher das Du. Weiter am Kern(geschäft) eher die Anrede per Sie.“

Gero Pflüger ist Social-Media-Berater, Vortragsredner und Autor. Mit seiner Agentur unterstützt er kleine und mittlere Unternehmen mit Social-Media-Beratung und Strategien.

Social Media: Du oder Sie?

Dajana Hoffmann – Social Media Expertin

Dajana Hoffmann hat selbst intensiv darüber nachgedacht, wie sie es online mit der Ansprache halten soll und sich konsequent für die Sie-Form entschieden.

„Ich möchte Inhaber oder Mitarbeiter kleiner und mittlerer Unternehmen ansprechen, die sich der digitalen Kommunikation öffnen oder dort professionalisieren wollen. Meine Kanäle sollen insbesondere Menschen ansprechen, die erst anfangen sich mit der digitalen Welt zu beschäftigen und daher auch die Gepflogenheiten der sozialen Medien nicht kennen. Das „Sie“ schafft zu Beginn einer Zusammenarbeit außerdem eine respektvolle Atmosphäre, die ich auch für die Verhandlung des Honorars bevorzuge. In der tatsächlichen Zusammenarbeit erfolgt dann häufig der Wechsel auf das „Du“, speziell im Rahmen von Workshops.“

Dajana Hoffmann betreibt Social Media aus Leidenschaft und berät Unternehmen, wie sie soziale Netzwerke erfolgreich nutzen können.


Wie du siehst, gibt es „die richtige“ Anrede gar nicht, aber es gibt zumindest ein paar Kriterien, an denen du dich orientieren kannst.

Wie sprichst du deine Leser und Kunden an? Schreib einen Kommentar, welche Anrede du bevorzugst und warum du dich so entschieden hast.


Lies weiter:

Ehrliche Antworten auf häufig gestellte Businessfragen5 häufig gestelle Businessfragen und konkrete Antworten | miss-webdesign.at
Monsterprojekt Website - 3 Wege zum Ziel | miss-webdesign.at

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15 Kommentare

  1. Das ist wahrlich ein spannendes Thema auf das jeder seine eigene Antwort finden muss. Eines hat sich jedoch bei unserer Überlegung herauskristallisiert: Ob Du oder Sie darf – nach unserer Meinung – keine Frage des Kanals sein. Entweder konsequent „Duzen“ oder „Siezen“… (Wir haben das auch mal als Blogbeitrag zusammengefasst: http://wbz.me/dusie)

    Ich stell mir immer die Situation vor, wenn ein mir bislang unbekannter Kunde erst online mit mir kommuniziert hat und wir danach telefonieren. Nicht jeder Geschäftskunde – auch eine Frage der Generation – steht sofort auf „Du“. Deswegen haben wir für uns entschieden: Mit Siezen machen wir am Anfang nix kaputt. Wir sind nach dem ersten Kontakt dann oft schnell auch beim Du. Das führen wir dann in der direkten Ansprache des Kontakt auch online so weiter.

    Eine Episode aus dem Alltag: Ein Kunde berichtete mir davon, dass Sie von einem Wettbewerber von uns sofort ungefragt am Telefon gedutzt wurde. Das fand sie ganz unpassend – der Anbieter ist in der Auswahl allein deswegen recht weit nach hinten gerutscht. Blöd gelaufen, oder?

    1. Hallo Herr Spannaus,
      Danke für den ausführlichen Kommentar und die Verlinkung auf einen weiteren Artikel zu diesem spannenden Thema.

      Auf jeden Fall muss jeder seine eigene Antwort auf dieses Thema finden. Ein bisschen Fingerspitzengefühl, vor allem im Hinblick auf den telefonischen oder persönlichen Kontakt, ist dabei aber sicher von Vorteil, wie die angesprochene „Episode aus dem Alltag“ zeigt.

      Herzliche Grüße
      Daniela

  2. In sozialen Medien udn auf meinem Blog Duze ich konsequent.
    Schreibe ich Smartphonehersteller per Mail an, fasse ich das wie einen förmlichen Brief und Sieze.
    Wird mir dann das Du angeboten nehme ich das dankend an.

    Also im öffentlichen Bereich Du, auch im Messenger aber bei Mails per Sie genau so wie bei direktem Kontakt.

    1. Hallo Marie-Luise,
      Danke, dass du noch eine weitere Sichtweise auf dieses Thema einbringst. Ich finde es richtig spannend, die Erfahrungen anderer zu lesen und vor allem auch, wo bei einem Wechsel vom „Du“ auf’s „Sie“ die jeweiligen Grenzen gezogen werden.
      Liebe Grüße
      Daniela

  3. Eine interessante Frage, über die ich auch schon viel nachgedacht habe. Ich für mich habe folgende Entscheidung getroffen:

    Auf Kanälen wie Twitter, Facebook oder im Blog wähle ich das „Du“, das soll eine gewisse Nähe suggerieren, auch weil nicht immer jemand direkt angesprochen wird.

    Für die direkte Kommunikation wie Telefon oder von Angesicht zu Angesicht wähle ich das „Sie“.

  4. Eine interessante Frage, die ich mir vor 2 Jahren auch stellte. Anfänglich wechselte ich je nach Plattform auch die Anredeform. Auf die Dauer war mir das zu anstregend.

    Die Verallgemeinerung mit „man“ widerstrebte mir zutiefst. Also musste eine Lösung her. Ich fragte direkt im Blog und auch in sozialen Netzwerken nach, welche Anrede meine Kunden und Leser als angenehm empfinden würden. Die überwiegende Meinung war „du“. So stellte ich alle Plattformen auf eine Anredeform um.

    Da auch ich mit den meisten Kunden per „du“ bin, fühle ich mich sehr wohl mit dieser Anredeform. Bei Neukunden ist es oft noch so, dass ein steifes „Sie das Arbeiten begleitet. Bei einer längeren Zusammenarbeit ändert sich das aber oftmals zum „du“.

    1. Hallo Frank,
      Danke für den Einblick, wie du zur „richtigen“ Anrede gefunden hast. Ich finde es immer sehr interessant, wie sich das oftmals entwickelt.

      Liebe Grüße,
      Daniela

  5. Hallo Daniela,
    als Autorin habe ich alle, außer auf Facebook, gesiezt. Meistens schrieben mir viele Leser Mails und benutzen das sie. Heute als Bloggerin schreibe ich sehr persönlich und duze meine Leser, spreche sie sehr persönlich in meinen Beiträgen an. Wenn ich in den Mails per Sie angesprochen werde, bleibe ich erstmals dabei. Biete es demjenigen dann irgendwann an. Für mich stand von Anfang an fest, auf meiner Autorenseite per Sie und auf meinem Blog das Du.
    Viele Grüße Caro

  6. Liebe Daniela,
    ich duze, weil ich mich dabei wohler fühle und ich es viel persönlicher finde.
    Allerdings schwanke ich oft zwischen „Du“ und „Ihr“. Weil ich oft eine ganze Gruppe anspreche, etwa in Workshops oder in meinen WhatsApp-Gruppen oder Team-Gruppen.
    Das gleiche Gefühl empfinde ich auch wenn ich auf meinem Blog, auf Instagram oder im Newsletter schreibe, oder ein kleines Video mache. – Darum tendiere ich auch dort meistens zum „Ihr“, ohne zu wissen, ob das wirklich sinnvoll ist. Aber es entspricht meinem Gefühl nicht nur EINEN Menschen anzusprechen, sondern eben meine ganzen Zuhörer oder Leser.
    Liebe Grüße, Andrea

    1. Hallo liebe Andrea,
      vielen Dank für deine Gedanken. Ich kenne das Gefühl, zwischen „Du“ und „Ihr“ zu schwanken selbst von Online Workshops. 🙂 Am Blog oder im Newsletter bin ich klar beim Du, weil am anderen Ende ja tatsächlich „nur“ eine Leserin sitzt.

      Liebe Grüße,
      Daniela

  7. Hi, auch ich habe einen Blog, auf dem ich sieze, was ich jetzt aber eigentlich nicht mehr passend finde. In meinen neuen Beiträgen duze ich jetzt… ein schwieriger Übergang. Danke für den Beitrag.

  8. Hi Daniela, sehr interessanter Artikel. Welche Variante man nimmt, sollte man sich wirklich überlegen. Ich finde immer die „Du“ Variante besser. Klingt irgendwie viel persönlicher. Ich als Leser fühle mich da auf jeden Fall viel wohler und besser aufgehoben.

    Am ende des Tage muss es allerdings jeder für sich selbst entscheiden.

    Mach weiter so.
    Viele Grüße

    1. Hallo Domi,
      Danke, dass du deine Gedanken dazu hier teilst. Ich selbst bevorzuge auch die Du-Variante, aber ich denke es ist auch stark von der Branche und der Zielgruppe abhängig.

      Alles Liebe,
      Daniela

  9. Die Wahl zwischen „Du“ und „Sie“ auf einer Website oder einem Blog kann eine knifflige Entscheidung sein, aber du hast das Thema sehr klar und durchdacht behandelt. Deine persönliche Herangehensweise und deine Gründe dafür sind gut erklärt und vermitteln ein Gefühl von Authentizität. Es ist inspirierend zu sehen, wie du deine Werte und deine Persönlichkeit in deine Online-Präsenz integrierst, und ich bin sicher, dass deine Leser das zu schätzen wissen.

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